Der Weg soll sich tiefer hineingraben ins Bild, in den Untergrund des Bildes, damit hinaus aus dem zweidimensionalen Raum, wo sich das Leben der Menschen (aus manchen Perspektiven auch ihr Leben) abspielt, abgespielt hat, das bißchen Wirklichkeit. Die Haut ist nicht mehr die fühllose Begrenzung zwischen dem eigenen Körper und den Dingen rundum, der Luft, den Straßen und Bäumen, dem Himmel über dem Kopf, den Blicken der anderen Tiere und Menschen. Die Hand, die den Kugelschreiber hält, kreuzt Punkte am Stadtplan an und zieht mit dem Finger Linien; sie fühlt, wie weit ihre Zehen vom Rücken entfernt sind, wie weit wiederum ihr Rücken von ihrem Gaumen, kann die Strecke nachzeichnen, die von ihrem Gaumen (wo sie einen Geschmack nachkostet, der wie ein befreites Lachen ist, wie die ausstrahlende Berührung ihrer Zunge mit einer fremden Zunge) ins Innere ihres Gehirns führt; dort ruht sie auf einer Wiese, allein, auf einem von Häusern umgrenzten Platz; dort tut sich ein tiefer Schacht auf, der ihr Denken immer anzieht. [...]
Zeitschichten schieben sich übereinander, es fällt ihr schwer, den einzelnen Moment zu finden, auf den es gerade ankommt, den Moment der Gegenwart, so als wäre sie dafür noch zu wach.
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Thomas Stangl ‘Ihre Musik’

