•7. Juli 2009 • Kommentar schreiben

sturzregen wild-
mein ohr: sein körper
mein körper: sein ohr

und blitze
und schnellerer
puls

defrag my heart.

•4. Juli 2009 • Kommentar schreiben

‘und ich weiß, es liegt an mir.’
‘es liegt immer an dir.’

•4. Juni 2009 • Kommentar schreiben

‘Wer alte Wunden leckt, hat keinen freien Mund zum Küssen.’

Andreas Tenzer

•21. Mai 2009 • Kommentar schreiben

Galaktisches Licht

Am Ende des Tages, wenn alles gesagt und fast alles
abgelegt wurde (Kleider, Haltungen, fixe Ideen),
wenn Kraft nur zum Murmeln noch bleibt, zum
Verstreuen
von Wörtern, untätigem Tun, ohne daß eine
Schaltstelle

verantwortlich wäre oder ein Dämon …
Wenn dunkle Fetzen (Schwalben? Gedanken?) um
den Wolkenkratzer
spuken und ein Jet sie gelassen durchstreicht:
Sag noch einmal etwas Verbindliches! Oder sag mir
jemand,

der es weiß! Es ist die Stunde, da das Blau schwarz und
schwärzer wird, da alles abrutscht, während du gern
etwas
festhalten würdest, und sei es ein Quentchen Schmerz,
klar umrissen wie eine Hostie oder ein Aspirin,

aber noch im Liegen gleitest du, gleitet es unter dir,
dieses Stück Boden scheint nicht verläßlich genug, um
deine vier
Gliedmaßen einzuzeichnen, das Signal, daß es dich
einmal hier gab -
mich, uns, euch -, des Mikrokosmos eingebildete
Erben.

Die Silhouette der Stadt, nachts: als seien heimlich
Ufos gelandet, monströses Gerät, unnahbar fremd
dem,
was vor Zeiten hier lebte (Flechten, Schmetterlinge,
Schlingpflanzen).
Mit galaktisch gepunktetem Licht offenbaren sie

ihre astrale Komplizenschaft – und oben, zwischen
Antennen,
zeigen die roten Warnlampen an, daß hier zu wohnen
letztlich dem Aufenthalt in einem Grab gleicht.
Was jetzt noch übrig ist, hat das Recht, für sich zu sein.

Der von der Hochhauskante durchschnittene Blitz.
Die Frau im Fenster-
spalt, den Büstenhalter lösend. Das zu den Rändern hin
verfärbte Blatt Papier. Ich lasse sie so, wie sie gerade
sind.
Stecke einen Bezirk ab, der weiß bleibt.

von Ulrich Johannes Beil

Man kann nicht nur traurige Lieder singen.

•10. Mai 2009 • Kommentar schreiben

Needle in the Hay
und ich erinnere mich. zurück.
zurück zu diesem fenster, zurück zu diesem lied und den füßen. die selben füße, warm von der sonne.
und ich liege dort. stur und starr. [genau wie du. inmeinemkopf vielleicht auch tiefer.]

‘glück ist es nicht. es ist zufall.’
ein lagerfeuer neben deinem bett und eine nacht am berliner meer. salzwasser an meiner wange.
doch sag, hat sich denn nichts bewegt?

well, I’ve been afraid of changing cause I’ve built my life around you
[...] & I’m getting older, too
I get older, too

anscheinend nicht.
denn es klingelt. und du wirfst mich wieder aus der bahn.
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Die alten, winter-kalten Gedanken verfliegen,
wie Rauch im lauen Wind,
wenn wir in den Wiesen liegen und etwas neues beginnt.
Ich finde wieder die richtigen Worte, ich treffe wieder den richtigen Ton
Ich kann dem Drang nicht widerstehen,
könnt ich doch die Zeit vordrehen..

ein komisches quartett.
aber ‘wisst ihr was kitschig ist? um nichts auf der welt würde ich diesen moment verpassen wollen.’
leises tröpfeln auf stillem wasser. die sonne im rücken, den regenbogen vor augen.
‘oh gott. das ist wirklich kitschig.’

aber man kann ja nicht nur traurige lieder singen.

uns fielen die Worte schön aneinandergereiht wie Perlen an einer Kette aus dem Mund

•24. April 2009 • Kommentar schreiben

ich bin bis zum rand voll mit buchstaben.
ausgefüllt mit worten.
ich habe gar keinen platz mehr für eigene gedanken.

blauer himmel und diese blütenblätter.
wie eine daunendecke über meinem kopf, wie rosa watte in baumkronen.
ich schlage das buch zu.
ich möchte diesen moment atmen.
ihn mit sinnen festhalten.
ich schmecke heidelbeeren an meinen lippen, worte auf meiner zunge.
und ich lausche.

atmen. ein und aus.
‘ganz ruhig. ist doch alles gut jetzt.’

So what if you catch me, where would we land?
maybe in somebody’s life for taking his hands..

& wir sind sehnsüchtige Wesen, ein einziges Bündel drängender Wünsche.

•23. April 2009 • Kommentar schreiben

‘Doch während ich an meinem Schreibtisch grübelte und in Büchern stöberte, kam mir der Gedanke, dass Nichtstun häufig die beste Art war, etwas zu tun.’

leider muss man die gegenwart durchleben, um in die zukunft zu gelangen.
krampfhaft. schleppend. von einem tag zum nächsten.
doch ich habe keine zeit müde zu sein. keine lust mich auszuruhen.
denn mein kopf ist nicht gemacht für waagrechtes liegen. er arbeitet doch schon senkrecht viel zu viel.

gerne würde ich behaupten ‘ich weiß ziemlich genau was ich bin’-
mir selbst schlüssig. (am schlüssigsten [das reicht mir.])
der überzeugung, mich zu kennen.
und wenn ich nun sage, ich bin ein wanderer, ein uferloses boot, dann klingt das nicht fremd.
dann klingt das gut.
denn es ist das, was ich kenne und was ich kenne hat bestand. doch ist es das was ich will?

‘In gewisser Weise will ich einfach weniger von allem.’, denke ich.
‘aber ich will nie das, was ich will.’
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‘Noch nie habe ich eine Frau getroffen, die so sehr begehrt werden wollte,
und noch nie eine, die so viel Angst davor hatte.’

Hanif Kureishi ‘Rastlose Nähe’

for a minute there, i lost myself, i lost myself

•19. April 2009 • Kommentar schreiben

Aber ich erkenne heute im damaligen Geschehen das Muster, nach dem sich mein Leben lang Denken und Handeln zueinandergefügt oder nicht zueinandergefügt haben.
Ich denke, komme zu einem Ergebnis, halte das Ergebnis in einer Entscheidung fest und erfahre, daß das Handeln eine Sache für sich ist und der Entscheidung folgen kann, aber nicht folgen muß.
Oft genug habe ich im Lauf meines Lebens getan, wofür ich mich nicht entschieden hatte, und nicht getan, wofür ich mich entschieden hatte.
Es, was immer es sein mag, handelt; es fährt zu der Frau, die ich nicht mehr sehen will, macht gegenüber dem Vorgesetzten die Bemerkung, mit der ich mich um Kopf und Kragen rede, rauche weiter, obwohl ich mich entschlossen habe, das Rauchen aufzugeben, und gibt das Rauchen auf, nachdem ich eingesehen habe, daß ich Raucher bin und bleiben werde. Ich meine nicht, daß Denken und Entscheiden keinen Einfluß auf das Handeln hätten. Aber das Handeln vollzieht nicht einfach, was davor gedacht und entschieden wurde. Es hat seine eigene Quelle und ist auf ebenso eigenständige Weise mein Handeln, wie mein Denken mein Denken ist und mein Entscheiden mein Entscheiden.
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Bernhard Schlink ‘Der Vorleser’

Blinde Flecken

•13. April 2009 • Kommentar schreiben

Daß wir so uneins sind hält uns zusammen
du dort ich hier – wir sind auf andrer Fahrt:
Dein Istgewesen mein Eswirdnochkommen
zwei blinde Flecken in der Gegenwart
die uns gehört wie Träume vorm Erwachen
wenn wir schon wissen daß wir Träumer sind
die mit uns spielt ein Weilchen in den Winden
bis jedes hier und dort sich wiederfindet.

von Ulla Hahn

•12. April 2009 • Kommentar schreiben

Renée war mein Idol. Hattet ihr je ein Idol? Jemanden, der sagt, ich glaube, es wäre eine gute Idee, wenn du ein Auto klaust, anzündest und von einer Klippe fährst, und du fragst, Automatik oder Schaltung? So war Renée. [...]
Renée liebte es, Sachen zu machen. Das war mir rätselhaft, weil ich lieber über Sachen rede, ohne sie je zu tun. Sie liebte die Leidenschaft. Sie liebte das Abenteuer. Ich schreckte vor Leidenschaft zurück und redete mir alle Abenteuer aus. Bevor ich sie traf, war ich bloß ein weiterer einsiedlerischer Wolfsjunge, der Angst vor dem Leben hatte und sich mit seinen Platten und Fanzines in seinem Zimmer versteckte.
Eine von Renées Freundinnen hat mal gefragt: ‘Trägt dein Freund eine Brille?’ Und sie hat geantwortet: ‘Er trägt einen Walkman.’
Ich war ein Mauerblümchen und wollte es bleiben, ich hatte mir nie vorgestellt, dass da jemand anderes sein könnte. Und plötzlich geriet ich in das laute, saftige, sprudelnde Leben dieses Mädchens. [...]
Ich habe Angst irgendwas über Renée zu vergessen, selbst die winzigste Kleinigkeit, selbst die Bands auf diesem Tape, die ich nicht ausstehen kann- wenn sie sie berührt hat, will ich ihre Fingerabdrücke hören. [...]
Ich habe Rumblefish die ganze Nacht gespielt. Mittlerweile kenne ich alle Songs. Ich schreibe ihre Titel auf, damit ich sie nicht vergesse. Ich starre immer noch aus dem Fenster, aber bis die Sonne aufgeht, wird es noch ein paar Stunden dauern. Die Lichter der Stadt schimmern durch die Bäume im McCarren Park. Am Haus gegenüber gibt es eine Eule aus Holz, die jede Viertelstunde den Kopf dreht, was einen ganz schön verrückt machen kann.
Die Stadt ist voller Abenteuer, nur ein paar U- Bahn- Stationen entfernt.
Aber ich fahre nirgendwohin.
Kennengelernt haben wir uns am 17. September 1989. Geheiratet haben wir am 3. Juli 1991. Wir waren fünf Jahre und zehn Monate verheiratet. Am 11. Mai 1997 ist Renée sehr plötzlich und unerwartet zu Hause und in meiner Gegenwart an einer Lungenembolie gestorben. Sie war 31. Beerdigt ist sie in Pulaski Country, Virginia, am Hang eines Hügels neben dem Wal- Mart.
Als die zweite Seite mitten in einem schrecklichen Belly- Song abbricht, sitze ich da und warte auf das finale Klicken. Dann drehe ich das Tape um und drücke wieder auf Play. Das erste Stück ist Pavements ‘Shoot the Singer’, und ich habe es gerade vor einer Stunde gehört.
Ich bin noch nicht fertig mit diesen Songs. Ich werde noch eine Weile auf sein.
Renée ist noch nicht fertig mit mir.
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Rob Sheffield ‘Love is a Mix Tape’